Der Chor

Kaiser Maximilian I. hat Ende des 15. Jahrhunderts Kapellknaben für seine Hofkapelle in Wien – nach burgundischem Vorbild – institutionalisiert. Nach dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie wurde diese Jahrhunderte lange Tradition durch die Gründung der Wiener Sängerknaben im Jahr 1924 fortgeführt. Das Weiterbestehen des heute weltberühmten Knabenchores ist dem damaligen Rektor der Wiener Hofburgkapelle, Josef Schnitt, zu verdanken.

Monsignore Schnitt hat drei Jahrzehnte später die Gründung zweier Ensembles für ehemalige Wiener Sängerknaben angeregt und somit ein zweites Mal einen bleibenden Markstein im Wiener Musikleben gesetzt:

  • So liefert seit 1952 einerseits eine Gruppe ehemaliger Wiener Sängerknaben als Chorus Viennensis – in Ergänzung zu den Sopran- und Altstimmen der Knaben – die Tenor- und Bassstimmen.
  • Andererseits singen ehemalige Wiener Sängerknaben seit dem gleichen Jahr als Choralschola der Wiener Hofburgkapelle bei der sonntäglichen Messfeier in der Wiener Hofburgkapelle.
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    November 1958: Musikverein Wien, Großer Saal
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    März 1981: Salonprobe mit Uwe Theimer im Augartenpalais
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    Juni 1982: Schweizertor Wien
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    September 1984: Konzert in Gaaden
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    Mai 1988: Konzert in Passau

In den Anfangsjahren bestritt der Chorus Viennensis – meist gemeinsam mit den Wiener Sängerknaben – zahlreiche Konzerte im In- und Ausland mit überwiegend geistlichem Programm unter der Leitung hervorragender Dirigenten. Aus der Aufbauphase ist insbesondere eine richtungsweisende Aufführung der Matthäuspassion unter Ferdinand Grossmann (Wiener Hofburgkapelle, 1958) hervorzuheben sowie die Mitwirkung beim Walt-Disney-Film „Almost Angels“ (1961/1962). Die in den 60er- und 70er-Jahren durchgeführten Plattenproduktionen und Konzerte mit vorwiegend Bach‘scher Musik (Passionen, Kantaten usw.) unter Hans Gillesberger und Nikolaus Harnoncourt können als wegbereitend für die weitere musikalische Entwicklung des Chores bezeichnet werden. Einige dieser Aufnahmen wurden international ausgezeichnet, etwa mit dem Grand Prix du Disque.

Seit 1970 wird neben den gemischtchörigen Aktivitäten mit den Wiener Sängerknaben auch ein reines Männerchor-Repertoire erarbeitet, um auch als eigenständiger Klangkörper in Erscheinung zu treten. Als Folge daraus entstand 1982 unter Uwe Theimer die erste Schallplatte („Chorus Viennensis“). Seither finden regelmäßig Männerchor-Konzerte statt. Die Pflege der Männerchorliteratur umfasst alle Stilepochen, sodass der Chor nun in diesem Genre über ein umfangreiches Repertoire und reiche Erfahrung verfügt.

1958
1968
1989

Beim 34. Internationalen Franz-Schubert-Chorwettbewerb 2026 wurde der Chorus Viennensis unter der Leitung von Jonas Langhammer zum Sieger der Kategorie Männerchöre gekürt und bekam außerdem einen Sonderpreis für die beste Interpretation eines Originalwerkes zuerkannt. Bereits bei der ersten Wettbewerbsteilnahme 1988 wusste der Chor unter der Leitung von Guido Mancusi zu überzeugen und gewann beim 5. Internationale Männerchor-Wettbewerb „Franz Schubert“ sowohl den Ersten Preis als auch den von der Stadt Wien gestifteten Schubert-Interpretationspreis.

Neben Erfolgen bei Chorwettbewerben und zahlreichen Einladungen zu Konzerten und Tonaufnahmen hat der Chorus Viennensis im Jahr 1992 vom Österreichischen Kunstministerium den Mozart-Interpretationspreis zuerkannt bekommen.

1999
2009
2022

Die einheitliche musikalische Ausbildung als Wiener Sängerknaben und die stete Betreuung durch bedeutende Chorerzieher tragen wesentlich zum internationalen Erfolg des Chorus Viennensis bei.